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Eine
lange und bewegte Geschichte hat Spanien einen unsäglichen Reichtum
an historischen Stätten der
unterschiedlichsten Kulturen hinterlassen. Und so warten mittelalterliche
Städtchen, wundervolle Plazas, gotische Kathedralen, romanische Kirchen,
barocke Klöster, Renaissance-Bauten, römische Brücken und Aquädukte,
im Mudejar-Stil errichtete Burgen, prunkvolle Schlösser und maurische
Alkazare nur darauf, neu entdeckt zu werden.
Fiestas
und Folklore
Die bekanntesten unter den volkstümlichen Bräuchen Spaniens sind sicherlich
der Flamenco und der Stierkampf. Stierkämpfe findet man tatsächlich
im ganzen Land, das herausragende Ereignis ist wohl das Fest der Sanfermines
in Pamplona, wenn die Stiere durch die abgesperrten Straßen der Stadt
getrieben werden. Aber Stierkämpfe sind ein fast unverzichtbarer Bestandteil
jeder größeren Fiesta.
Flamenco ist die Musik-Tradition im Süden des Landes, insbesondere
in Andalusien. Dort bekommt man erstklassigen Tanz und virtuoses Gitarren-Spiel
geboten. In Sevilla findet im April die "Feria de Abril"
statt, eine ganze Woche lang Tanz und Gesang und Sherry-Wein, und
die vorzüglichen "Tapas", kleine Appetithappen und wem das alles attraktiv
erscheint, der sollte die Feria wirklich nicht versäumen.
Noch besser ist es, schon zwei Wochen vorher in Sevilla einzutreffen,
vorausgesetzt, man findet ein freies Zimmer. Dann gibt es nämlich
das zweite Großereignis dieser Stadt zu bewundern, die "Semana
Santa" (Karwoche), mit ihren weltberühmten Prozessionen.
Eine weitere hervorragende Fiesta ist "Las Fallas de San José" in
Valencia, im März. Die ganze Stadt ist Schauplatz einer riesigen Party
mit guter Laune und tollen Feuerwerken. Eine turbulente Woche kann
man auch in San Sebastian im Februar verbringen, wenn "La Tamburrada"
stattfindet. Madrid veranstaltet seine Fiesta, "San Isidro", im Mai.
Ein Pflichttermin vor für jeden Stierkampf-Fan.
Im Karneval gibt es in ganz Spanien Veranstaltungen. Die schönsten
finden in Santa Cruz de Tenerife auf den Kanarischen Inseln statt.
Wer sich zu dieser Zeit auf der iberischen Halbinsel aufhält, sollte
Cadiz oder Sitges besuchen.
Das
Keltisch-Iberische Spanien
Das Volk der Iberer kam wahrscheinlich aus Afrika auf die Halbinsel.
Zu ihnen gehörten vermutlich die Tartessos, die im Tal des Flusses
Guadalquivir eine erste Hochkultur schufen. Etwa 1200 v.Chr. drangen
keltische Stämme vom Norden her in Spanien ein. Sie vermischten sich
mit den Iberern und es entstand die keltisch-iberische Volksgruppe.
Karthager, Phönizier
und Griechen
1100 v.Chr. landeten phönizische Seefahrer an der spanischen Küste
und begründeten Kolonien, mit denen sie umfangreichen Handel betrieben.
Die bedeutendste davon war Gadir, das heutige Cadiz. Auch die Griechen
legten Kolonien vor allem an der Mittelmeerküste an. Während Karthago
mit Rom die punischen Kriege ausfocht, drangen die Karthager auch
in Spanien ein und eroberten weite Teile des Landes. Bedeutende Siedlungen
schufen sie auf der Insel Ibiza und in Cartagena, das sie "neues Karthago"
nannten.
Goten und Römer
Nach der endgültigen Niederlage Karthagos eroberten die Römer auch
ihre spanischen Kolonien und im Zuge praktisch die gesamte Halbinsel.
Die Provinz Hispania entwickelte sich in der Folge zu einem vollwertigen
Bestandteil des römischen Reiches, sogar zwei römische Kaiser, Hadrian
und Trajan, wurden hier geboren. Die Spanier ihrerseits absorbierten
völlig die römische Kultur, bis heute offensichtlich in ihrer Landessprache.
Als das "Römische Weltreich" zu fallen begann, fielen gotische Stämme
in Spanien ein und eroberten nach und nach das ganze Land.
Mauren und die "Reconquista"
Die gotische Herrschaft dauerte bis 711, als muslimische Heerscharen
die Straße von Gibraltar überquerten und den letzten Gotenkönig Roderik
besiegten. Besonders Südspanien, das damals Al-Andalus hieß, blühte
unter den Mauren auf, vor allem dank der neuartigen arabischen Bewässerungstechnik
in der Landschaft sowie weiterer wissenschaftlicher Errungenschaften.
Die Mauren eroberten rasch den Großteil der iberischen Halbinsel,
bis der Gotenkönig Pelayo ihren Vormarsch in der Schlacht von Covadonga
in Nordspanien ins Stocken brachte. Dieses Ereignis wird immer wieder
symbolisch als der Beginn der Rückeroberung des Landes durch die Christen,
der Reconquista, bezeichnet, obwohl die Mauren noch acht Jahrhunderte
lang weite Teile Spaniens beherrschen sollten. Das maurische Spanien
wurde mit der Zeit unabhängig vom arabischen Reich, im 10. Jahrhundert
rief Abderraman III. Al-Andalus zu seinem eigenen Kalifat aus. Cordoba
war in jener Epoche das unzweifelhafte kulturelle Zentrum dieses Teils
der Welt. Streitigkeiten zwischen den maurischen Adelsfamilien führten
schließlich dazu, daß das gewaltige Reich in zahlreiche kleine Kalifate
zerbrach. Nun begannen die Christen im Norden des Landes die Rückeroberung.
Die Vereinigung der beiden bedeutendsten christlichen Königreiche
durch die Hochzeit von Ferdinand von Aragón und Isabella von Kastilien
im Jahr 1469 war der Wendepunkt: von nun an verloren sie schnell an
Boden, und 1492 eroberten die Christen das letzte maurische Kalifat,
Granada.
Die "Katholischen Könige"
Isabella und Ferdinand gelang es, das ganze Land unter ihrer Krone
zu vereinigen. Ihr Bestreben, Spanien zu "re-christianisieren" resultierte
jedoch in der berühmt-berüchtigten Spanischen Inquisition. Tausende
Juden, Mauren und sonstige Andersgläubige, die sich nicht zum Christentum
bekennen wollten, wurden des Landes verwiesen oder umgebracht. Diese
schwarze Epoche der spanischen Geschichte fiel mit einer goldenen
zusammen, denn nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus
1492 flossen tonnenweise Reichtümer aus der neuen Welt in das Land
ein. Spanien entwickelte sich zu einer der mächtigsten Nationen der
Welt, und das "Goldene Zeitalter" brach an.
Die Häuser Habsburg und Bourbon
Als Isabella 1504 starb hinterließ sie den Thron ihrer Tochter Johanna,
die als "Johanna die Wahnsinnige" in die Geschichte eingehen sollte.
Ihr Ehemann Phillipp ("der Schöne") war der Sohn des deutschen Kaisers,
und mit ihm hielt das Haus Habsburg Einzug in Spanien. Karl I. (von
Spanien, zugleich Karl V. des Heiligen Römischen Reichs Deutscher
Nation) vereinte 1517 eines der gewaltigsten Weltreiche der Geschichte.
Nachdem er sich 1556 ins Kloster zurückzog, wurde es jedoch zwischen
der spanischen und der österreichischen Linie der Habsburger aufgeteilt.
Spanien blühte wirtschaftlich unter der Habsburger-Krone auf, vor
allem dank des Handels mit den amerikanischen Kolonien. Diese Kolonien
waren aber zugleich der Grund dafür, daß das Land in teure Kriege
mit Frankreich, den Niederlanden und England verwickelt wurde. Der
Sturm, der die "unbesiegbare Armada" 1588 auf ihrem Zug gegen England
versenkte, beendete auch das "Goldene Zeitalter" Spaniens. Als der
letzte Habsburger-König Karl II. ohne Nachfolger starb, folgte ihm
der Neffe des französischen Königs Ludwig XIV., Philipp von Bourbon,
auf den Thron. Nach der französischen Revolution erklärte Spanien
der jungen Republik den Krieg, erlitt aber eine Niederlage. Napoleon,
der nun die Herrschaft in Frankreich antrat, besiegte Spanien und
setzte seinen Bruder Joseph als König ein. Die Spanier fochten einen
langen Unabhängigkeitskrieg, und als Napoleon 1815 in Waterloo endgültig
geschlagen wurde, wurde der von ihm entthronte Ferdinand VII. wieder
als König eingesetzt. Er herrschte mit strengem Absolutismus. Als
er das salische Recht der Thronfolge, das weibliche Nachkommen ausschloß,
änderte und nach seinem Tod seine Tochter Isabella die Herrschaft
antrat, führte eine Rebellion geleitet von Ferdinands Bruder Karl
zum siebenjährigen Krieg. Die Folge waren wirtschaftliche Rezession
und politische Instabilität, Spanien verlor einen Großteil seiner
Übersee-Besitzungen. Nach der Revolution 1868 mußte Isabella schließlich
abdanken, die Erste Republik wurde ausgerufen. Sie hielt aber nur
etwa ein Jahr lang. Ein Staatsstreich machte Isabellas Sohn Alfons
XII. wiederum zum König. Eine Rebellion in der spanischen Kolonie
Kuba 1895 führte schließlich zum Spanisch-Amerikanischen Krieg, mit
vernichtenden Folgen für Spanien, das seine letzten Übersee-Besitzungen
verlor.
20. Jahrhundert
Die Wirtschaftskrise der frühen Zwanzigerjahre brachte das Land an
den Rand eines Bürgerkriegs, und General Primo de Ribera richtete
eine Militärdiktatur ein. Er herrschte bis 1930, dann wurden
Wahlen abgehalten, die zu einem Sieg der politischen Linken führten.
König Alfons XIII. verließ das Land. Die wachsenden Spannungen zwischen
der republikanischen Regierung und der nationalistischen Opposition
gipfelten schließlich im Spanischen Bürgerkrieg (1936-39). Die Nationalisten
unter General Franco erhielten Unterstützung vom faschistischen Deutschland
und Italien, der republikanische Block wurde offiziell nur von Rußland
unterstützt, obwohl zahlreiche Intellektuelle (beispielsweise Ernest
Hemingway) sowie politische Aktivisten aus anderen Ländern in den
"Internationalen Brigaden" kämpften. Die Nationalisten setzten sich
schließlich durch. Franco konnte Spanien zwar aus dem 2. Weltkrieg
heraushalten, aber seine Militärdiktatur führte dennoch zu politischer
und wirtschaftlicher Isolation. Während der 50er und 60er-Jahre wurden
alle Anstrengungen unternommen, um die internationalen Kontakte zu
verbessern, und das Land begann sich wirtschaftlich zu erholen. 1969
setzte Franco fest, daß Juan Carlos von Bourbon, der Enkel Alfons
XIII., nach seinem Tod der Regierung als König vorsitzen solle. Franco
starb 1975, und eine konstitutionelle Monarchie wurde ausgerufen.
Staatspräsident Adolfo Suarez setzte wichtige Reformen durch. Als
er 1981 überraschend seinen Rücktritt erklärte, gab es einen Putschversuch,
der aber scheiterte. 1982 setzte sich die sozialistische Partei bei
den Wahlen durch, Felipe Gonzalez wurde Regierungschef. Spanien trat
1985 der NATO und 1986 der Europäischen Gemeinschaft bei. 1992 stand
das Land ganz besonders im internationalen Rampenlicht, als in Barcelona
die Olympischen Spiele und in Sevilla die Weltausstellung EXPO'92
stattfanden und gleichzeitig Madrid zur Europäischen Kultur-Hauptstadt
erklärt wurde.
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Kultur &
Geschichte
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